Dietsch@bookwyrm.de reseñó fundamentalös de Nussaibah Younis
Deradikalisieren ist auch nur ein Karriereweg
4 estrellas
IS-Frauen, Deradikalisierung, Flüchtlingslager im Irak: Das ist ein Stoff, der sonst in Betroffenheitsprosa erzählt wird. Younis macht eine Komödie daraus, und das funktioniert erstaunlich gut, weil ihre Erzählerin Nadia nie die moralisch Überlegene ist, sondern eine Akademikerin mit Liebeskummer, die einen UN-Job annimmt, für den sie nicht ausgebildet ist. Der Betrieb, in den sie gerät, ist korrupt, eitel und mit sich selbst beschäftigt, aber die Figuren darin sind keine Karikaturen. Alle wollen vor Ort etwas verbessern und gleichzeitig beruflich weiterkommen, nur die Mischung ist bei jedem anders, und Nadia selbst rechnet nebenbei aus, was der Einsatz für ihre Dozentenstelle bringt. Das Buch urteilt darüber nicht, und das ist seine Stärke. Es zeigt sogar, was passiert, wenn das Pendel ganz zum Weltrettertum ausschlägt: Nadia rettet Sara, die Londonerin, die sich mit fünfzehn dem IS anschloss und in der sie ihr eigenes Leben mit ein paar anderen Abzweigungen erkennt, und übersieht darüber …
IS-Frauen, Deradikalisierung, Flüchtlingslager im Irak: Das ist ein Stoff, der sonst in Betroffenheitsprosa erzählt wird. Younis macht eine Komödie daraus, und das funktioniert erstaunlich gut, weil ihre Erzählerin Nadia nie die moralisch Überlegene ist, sondern eine Akademikerin mit Liebeskummer, die einen UN-Job annimmt, für den sie nicht ausgebildet ist. Der Betrieb, in den sie gerät, ist korrupt, eitel und mit sich selbst beschäftigt, aber die Figuren darin sind keine Karikaturen. Alle wollen vor Ort etwas verbessern und gleichzeitig beruflich weiterkommen, nur die Mischung ist bei jedem anders, und Nadia selbst rechnet nebenbei aus, was der Einsatz für ihre Dozentenstelle bringt. Das Buch urteilt darüber nicht, und das ist seine Stärke. Es zeigt sogar, was passiert, wenn das Pendel ganz zum Weltrettertum ausschlägt: Nadia rettet Sara, die Londonerin, die sich mit fünfzehn dem IS anschloss und in der sie ihr eigenes Leben mit ein paar anderen Abzweigungen erkennt, und übersieht darüber die anderen Frauen im Lager, deren Fälle vielleicht lösbar gewesen wären.
Die erste Hälfte habe ich mit Tempo und Vergnügen gelesen, die zweite fällt ab, einige Nebenfiguren bleiben flach, und das Ende ist eine Spur zu freundlich. Wer hier ein politisches Lehrstück über die richtige Seite erwartet, überfrachtet den Roman; wer eine gut erzählte Satire über internationale Hilfsorganisationen will, bekommt genau das. Sieben von zehn Punkten, für einen Nachmittag, nicht für die Ewigkeit.